Sommerlicher Wärmeschutz

Architektur wird heute häufig über transparente Gebäudehüllen definiert. Glas- oder auch Solararchitektur entmaterialisiert, schafft Bezug zur Außenwelt und durchflutet Räume mit Sonne. Sonne ist Wärme, Licht und Leben heißt es, aber zuviel Sonne in Räumen bewirkt das Gegenteil: Hitze, Blendung und Unbehagen bis hin zur Gesundheitsgefährdung sind die Folgen.

Die großen Glasflächen werden – energetisch gesehen – zu den Schwachpunkten der Gebäude, da sie im Sommer ohne Gegenmaßnahmen zu extremer Überhitzung führen können.

Klimageräte kosten Strom und gefährden den Klimaschutz!

Das Problem der Überwärmung  durch die Installation von Klimaanlagen zu lösen, ist im Hinblick auf den Klimaschutz ein falscher Ansatz. Das Ziel muss sein, das Überangebot an Sonnenenergie erst gar nicht in das Gebäude zu lassen, um es nicht mit teurer Kühlenergie wieder nach außen befördern zu müssen! Einen Raum um ein Grad zu kühlen kostet wesentlich mehr Energie als ihn um ein Grad zu erwärmen.  Die Herausforderung für energiebewusste Planer und Bauherrn  besteht darin, die Gefahr der Überwärmung in den Griff zu bekommen um bewusst auf ein aktives Kühlsystem verzichten zu können.  Durch dichte Bauweise und optimale Dämmung ist es gelungen, Gebäude ohne konventionelle Heizung (Passivhaus) komfortabel bewohnbar zu machen. Was für den Winterfall bereits erreicht wurde, muss für den Sommerfall als Ziel gesetzt werden – Vorrang für passives Kühlen! 

Sonnenschutzglas nutzt im Sommer nicht aber im Winter!

Seitens der Glasindustrie werden zur Reduktion des Energieeintrages Sonnenschutzgläser angeboten, die den Infrarotanteil blockieren und so den Energieeintrag gegenüber herkömmlichen Wärmeschutzverglasungen in etwa halbieren. Dennoch liegt der Wärmeeintrag solcher Gläser an heißen Tagen weit über dem anzustrebenden Maximalwert von 150W/m2. Damit können Sonnenschutzgläser im Kampf gegen die Überwärmung zwar eine Grundlast übernehmen, nicht jedoch die Spitzelasten abdecken.  Da sich Glas nicht selbstregulierend den äußeren klimatischen Bedingungen anpasst, schränkt der Einbau von Sonnenschutzgläsern die Nutzung der Sonnenenergie während der Heizperiode stark ein.  Objektiv gesehen ist der Einsatz von Sonnenschutzglas keine energieeffi-ziente Maßnahme, um sommerliche Überwärmung zu bekämpfen. 

Glasflächen sind Heizkörper!

Eine Glasfläche muss als Heizkörper betrachtet werden, der bei Wintersonne voll aufgedreht sein muss, damit die aktive Heizung (Pellets, Öl, Gas …) entlastet, sowie CO2 und Heizkosten eingespart werden kann. Bei solarem Überangebot (Sommerfall) muss jedoch die „Fenster-heizung“ abgedreht werden können.  Fenster und Glasfassaden benötigen einen Regler in Form eines verstellbaren (regelbaren) Sonnenschutzes, damit im Sommer die Überwärmung vermieden und im Winter die Sonne genutzt werden kann.  Verstellbare und automatisierte Sonnenschutzanlagen gestalten den Energieeintrag in Abhängigkeit vom Tages- und Jahresrhythmus flexibel und äußerst effektiv. Bis zu 90 % der einstrahlenden Energie kann über einen vor der Verglasung montierten Sonnenschutz abgeschottet werden.  Die Gefahr der sommerlichen Überwärmung lässt sich dann gut beherrschen, wenn Verglasung und Sonnenschutz als „klimaaktives“ System verstanden werden.  So gesehen ist ein automatischer Sonnenschutz die kostengünstigste „Klimaanlage“ mit dem geringsten CO2-Ausstoß, die nicht nur für thermische Behaglichkeit sorgt sondern auch einen bedeutenden Beitrag zur Senkung des Energiever-brauchs leistet.